Ein Eigentümer möchte einen Balkon anbauen, eine Ladestation installieren oder seine Terrasse vergrößern. Doch darf er das überhaupt? Welche Mehrheit ist in der Eigentümerversammlung erforderlich? Und müssen auch diejenigen Eigentümer bezahlen, die gegen den Umbau gestimmt haben?
Seit der WEG-Reform 2020 lassen sich bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum leichter beschließen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Eigentümer nach Belieben umbauen darf. Die §§ 20 und 21 WEG unterscheiden zwischen der Zulässigkeit einer Maßnahme und ihrer Finanzierung.
Eine Arztpraxis in der Eigentumswohnung, eine Kanzlei im Wohnhaus oder eine Gaststätte im ehemaligen Ladenlokal: Darf ein Eigentümer seine Räume anders nutzen, als ursprünglich vorgesehen? Maßgeblich sind die Teilungserklärung, die Gemeinschaftsordnung und die typischen Auswirkungen der geplanten Nutzung. Eine Abweichung ist nicht automatisch verboten – sie kann aber Unterlassungsansprüche auslösen.

Heiße Sommer, aufgeheizte Dachgeschosswohnungen und schlecht gelüftete Räume: Der Wunsch nach einer Klimaanlage ist in vielen Eigentumswohnungen längst kein Luxusproblem mehr. In der Wohnung selbst lässt sich ein mobiles Gerät meist ohne große Diskussion aufstellen. Schwieriger wird es, wenn ein sogenanntes Klima-Splitgerät eingebaut werden soll.
Denn bei einem Splitgerät bleibt es nicht beim Gerät im Innenraum. Ein Außengerät muss regelmäßig auf dem Balkon, an der Fassade oder an einer sonstigen Stelle angebracht werden. Dafür können Bohrungen, Leitungen, Befestigungen und Veränderungen am gemeinschaftlichen Eigentum erforderlich sein. Und damit ist die Wohnungseigentümergemeinschaft im Spiel.

Wer seine alte Gasheizung gegen eine Wärmepumpe austauscht, braucht den bisherigen Gasanschluss oft nicht mehr. Und genau dann kommt mitunter die nächste unangenehme Überraschung: Der Netzbetreiber soll den Anschluss stilllegen – und schickt dafür eine Rechnung. Gerade beim Heizungstausch ist das mehr als ärgerlich. Denn der Umstieg ist teuer genug, auch ohne Zusatzkosten für das bloße „Abklemmen“ des alten Anschlusses.

Ein Balkon wirkt auf den ersten Blick wie eine sehr private Angelegenheit. Man sitzt dort allein, stellt Pflanzen auf, trinkt Kaffee und ärgert sich über Pollen, Tauben oder die Nachbarn. Juristisch ist die Sache aber weniger gemütlich. Denn ein Balkon gehört dem jeweiligen Wohnungseigentümer eben nicht einfach komplett. Gerade bei Sanierung, Anstrich, Abdichtung, Geländer oder Solarmodulen zeigt sich schnell: Der Balkon ist meist ein gemischtes Konstrukt aus Sonder- und Gemeinschaftseigentum. (Gesetze im Internet)
Ein Balkonkraftwerk spart Strom und wirkt harmlos. In einer Wohnungseigentümergemeinschaft kann es trotzdem Ärger geben. Der BGH hat klargestellt: Auch ohne Bohren oder Eingriff in die Fassade kann eine sichtbare Solaranlage am Balkon eine zustimmungspflichtige bauliche Veränderung sein (BGH 18. Juli 2025 – V ZR 29/24BGH 18. Juli 2025 – V ZR 29/24).
Ein Balkonkraftwerk klingt erst einmal nach einer kleinen, vernünftigen Sache. Ein paar Solarmodule, etwas weniger Stromkosten, ein gutes Gefühl. Viele Eigentümer denken deshalb: Solange ich nichts anbohre und keine Fassade beschädige, kann es so schlimm schon nicht sein. Genau das kann ein teurer Irrtum sein.